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Der Stadt zu Füßen - die Karlsaue
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Der weiträumige Friedrichsplatz mit Museum Fridericianum (erstes Museum des Kontinents, 1769–76), Ottoneum (erster fester Theaterbau in Deutschland, 1603–06), Staatstheater und documenta Halle öffnet sich zur Flussniederung der Fulda und den Höhen des Kaufunger Waldes. Als architektonischer Mittelpunkt der Stadt bildet er das Entree zum ersten Schlossgarten Kassels – der Karlsaue.
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| Orangerie in der Karlsaue |
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Dieser älteste der drei landgräflichen Gärten entstand unterhalb des ehemaligen Residenzschlosses vor der mittelalterlichen Stadt. Aus dem Renaissance-Lustgarten Moritzaue, der auf der Spitze einer sumpfigen Flussinsel zwischen zwei Fulda-Armen lag, schufen die Landgrafen Karl und Friedrich II zwischen 1700 und 1770 eine barocke Parkanlage von enormer Größe. Mit zwei Kilometern Länge war sie um einiges größer als die Stadt Kassel selbst.
Ein Blickfächer von ehemals fünf Parkachsen zielte auf die schlossartige Orangerie. Von deren Mittelpavillon aus öffnet sich der Blick in die drei großen Achsen: Mittelallee, Küchengraben und Hirschgraben. Die Hauptallee führt den Besucher von der Orangerie zum großen Bassin mit Schwaneninsel und Kuppeltempel. Den Spannungsbogen schließt die dahinter liegende Insel Siebenbergen mit einer einmaligen Blüten- und Gehölzpracht. Sie bildet den Abschluss der Karlsaue. Dort, von der Spitze des Hügels aus, geht der Blick über den Wasserspiegel des großen Bassins zurück zur Orangerie.
Die Gestaltung des Barockparks geht wohl auf den berühmtesten Gartenkünstler seiner Zeit zurück, Le Nôtre in Versailles, an den sich Landgraf Karl gewandt hatte. Ab 1787 wurde der formale Garten im Sinne des englischen Landschaftsgartens in mehreren Schritten umgestaltet. Die kunstvoll gezirkelten, geometrisch beschnittenen Parterres, Hecken, Irrgärten, Grotten, Bassins und Wegführungen verschwanden nach und nach. Wesentliche Anregungen gingen dabei vom Hofgärtner Wilhelm Hentze aus, der seit den 1820er Jahren unter Beibehaltung der barocken Grundstruktur vielfältige Parkbilder schuf und zahlreiche neue Gehölze und Stauden anpflanzte. Noch heute ist die Karlsaue davon geprägt. Architektonischer Mittelpunkt des Parks war und ist das Orangerieschloss.
Nach den schweren Schäden im 2. Weltkrieg wurde es in den 70er Jahren wieder aufgebaut und beherbergt heute das „Astronomisch-Physikalische Kabinett mit Planetarium“ – eine Sammlung, die auf die Landgrafen zurückgeht. Der langgestreckte Bau mit Pavillons an den Enden und in der Mitte, errichtet 1701 bis 1710 zur Unterbringung der kälteempfindlichen Pflanzen, diente dem Hof für sommerliche Aufenthalte und Feste. Von den beiden seitlich freistehenden Bauten, die als Teile einer ursprünglich großzügigeren Planung entstanden, enthält das einzigartige Marmorbad (1722–30) eine der herausragenden barocken Raumschöpfungen Deutschlands. Die Skulpturen und Reliefs beziehen sich auf die Metamorphosen des römischen Dichters Ovid und wurden von dem in Rom wirkenden französischen Bildhauer Pierre Etienne Monnot geschaffen.
Entlang der Karlsaue, oberhalb des Rosenhangs, der 1955 anlässlich der Bundesgartenschau von Hermann Mattern angelegt wurde, verläuft die Schöne Aussicht, bis zur Zerstörung im Krieg eine der schönsten Wohnstraßen Deutschlands. Einst gesäumt von verschiedenen Palais hessischer Prinzen, der alten Kunstakademie und dem Galeriepalais Wilhelms VIII, entworfen von François de Cuvilliés d. Ä. (1749–51), führt sie zum Palais Bellevue (begonnen 1714), heute Brüder Grimm-Museum, und zur Neuen Galerie (1872–77) mit ihren Sammlungen der Kunst von 1750 bis zur Gegenwart (J. A. Nahl, C. D. Friedrich, E. L. Kirchner, M. Ernst, G. Richter, J. Beuys).
Die große Wiese vor der Orangerie, das sogenannte Bowlinggreen, wird heute temporär für kulturelle Veranstaltungen und zur Präsentation von documenta-Kunstwerken genutzt. An warmen Sommerabenden umgibt ein mediterraner Zauber die Orangerie mit ihren blühenden Oleanderbüschen und der Restaurantterrasse.
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