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Hinauf zum Bergpark
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Vom Friedrichsplatz kommend wendet sich die Obere Königsstraße am Brüder-Grimm-Platz nach Westen, um den Blick freizugeben auf die grandiose Aussicht der Stadt: Die schnurgerade Wilhelmshöher Allee mit der monumentalen Herkules- Skulptur als Endpunkt. Diese sieben Kilometer lange Achse zum Wahrzeichen Kassels ist eine auf barocke Vorbilder zurückgehende Avenue, angelegt in der Mitte des 18. Jahrhunderts als Auffahrt zum Schloss Weißenstein, dem Vorgängerbau des heutigen Schlosses im Bergpark Wilhelmshöhe, zu dem auch der Kurpark als Teilanlage gezählt wird.
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Der Schlosspark Wilhelmshöhe ist als größter Bergpark Europas die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Hier sind zwei Epochen europäischer Gartenkunst harmonisch zu einer Einheit verbunden – die barocke Anlage mit dem die Kaskade bekrönenden Oktogon, sowie eine weiträumige Parkanlage im Stil der englischen Landschaftsgärten. Über allem thront die 8,25 Meter hohe, in Kupferblech getriebene Nachbildung des antiken Herkules Farnese, der ersten Kolossalfigur der Neuzeit nördlich der Alpen und beispielhaft für spätere Monumente wie das Hermannsdenkmal oder die Freiheitsstatue.
Der ältere Teil des Parks entstand gleichzeitig mit der Karlsaue 1701–1717 unter Landgraf Karl. Er plante mit dem Architekten Guerniero nach römischem Vorbild eine riesenhafte Terrassenanlage mit Grotten und atemberaubenden Wasserspielen. Der Kunsthistoriker Georg Dehio nannte es „vielleicht das Grandioseste, was irgendwo der Barockstil in Verbindung von Architektur und Landschaft gewagt hat“. Seit nunmehr 300 Jahren sind die hier ihren Ausgang nehmenden Wasserkünste die große Attraktion der Wilhelmshöhe.
Die barocke Mittelachse des Parks wurde bei der grundlegenden Um- und Neugestaltung des Geländes (ab 1763 durch Friedrich II und ab 1785 durch Landgraf Wilhelm IX) nach englischem Vorbild beibehalten und die Kaskade Guernieros durch wirkungsvolle Akzente wie den Steinhöfer-Wasserfall und weitere Wasserfälle bei der Teufelsbrücke oder am Aquädukt ergänzt. Besondere Bäume und Sträucher aus fernen Kontinenten wurden angepflanzt, von denen einige mächtige Exemplare noch vorhanden sind. So eine nordamerikanische Weymouthskiefer von 35 Metern Höhe am Nordrand des Schlossteichs, des „Lac“, Gingko, Tulpenbaum, Katsura und weitere Raritäten.
Seltene alte Rosenzüchtungen, vermutlich die ersten in Deutschland, sind auf der Roseninsel zu bewundern. Anstelle des Jagdschlosses des Landgrafen Moritz entstand unter Wilhelm IX eine der letzten Großbauten des Absolutismus, die klassizistische Sommerresidenz Schloss Wilhelmshöhe (1786–98). Die ursprünglich im anmutigen Pavillonsystem nach englischem Vorbild gebaute Dreiflügelanlage des Architekten H. C. Jussow wurde zu Beginn des 19. Jh. durch den Oberhofbaumeister J. C. Bromeis blockartig geschlossen. Der im Krieg zerstörte und wieder aufgebaute Mittelteil beherbergt seit 1974 die weltberühmte Gemäldegalerie Alte Meister (Cranach, Dürer, Rembrandt, Hals, Rubens, van Dyck, Jordaens, Tizian) und die Antikensammlung (Kasseler Apollon).
Im unzerstört gebliebenen südlichen Weißensteinflügel präsentieren sich Schlossräume mit historischer Einrichtung. Nördlich des Residenzschlosses liegt das unter König Jérôme als Theater (1808–09) erbaute spätere Ballhaus, ein Frühwerk von Leo v. Klenze. Während der Sommermonate dient es für Sonderausstellungen der Museumslandschaft Hessen Kassel. Das benachbarte Gewächshaus, 1822 von Bromeis erbaut, ist eine der ersten Glas-Eisen-Konstruktionen Europas. Es zeigt unter anderem eine sehenswerte Kameliensammlung, Palmen und andere tropische Gewächse. Neben dem Sommerschloss entstand unter Wilhelm IX die Löwenburg (1793–1801), die zu den wichtigsten Beispielen der neogotischen Ruinenarchitekturen des Kontinents gehört und eine wertvolle mittelalterliche, frühneuzeitliche und romantische Ausstattung beherbergt. Der antikisierende Aquädukt (1788–92), überragt von der Ruine eines römischen Wachturms, bildet das klassische Gegenstück zur romantischen Burganlage.
Ein wertvolles Element der Exotismen des 18. Jh. ist das Chinesische Dorf „Mulang“ jenseits des Rhododendron-Tales im südlichen Parkbereich. Einige Häuschen und die Pagode der unter Landgraf Friedrich II um 1780 begonnen Anlage sind noch erhalten. Der Apollotempel am Fontänenteich, der Merkurtempel, die Säulenhalle am Rande des Bowlinggreen oder die Eremitage des Sokrates sind weitere eindrucksvolle Beispiele für die Parkarchitekturen des 18. und des frühen 19. Jahrhunderts.
Nicht nur wegen seiner Größe (Schloss und Herkules liegen 1,5 km und 250 Höhenmeter voneinander entfernt) ist der Bergpark Wilhelmshöhe einmalig. Im Gegensatz zu anderen barocken und nach englischem Vorbild veränderten Schlossgärten wurde hier ein Prinzip umgekehrt: Nicht die formale Gartenanlage direkt vor dem Schloss blieb erhalten, sondern die ferne barocke Kaskade mit dem Oktogon. Vom Herkules herab wurde der Park dem Fluss des Wassers folgend entwickelt. Der Bergpark Wilhelmshöhe hat in seiner gestalterischen Qualität eine außerordentliche Bedeutung für die europäische Geschichte der Gartenkunst. Deshalb steht er auf der deutschen Auswahlliste für das UNESCO Welterbe.
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